Action Réaction

Napoleon sagt: Nein Nein Nein

et on se prend la main, comme des enfants le bonheur aux lèvres, un peu naïvement et on marche ensemble, d'un pas décidé alors que nos têtes nous crient de tout arrêter

THC- olé olé olé

Wie oft man uns gefragt hat, wie wir uns das vorstellen, so ein Leben alleine ohne die zwei anderen der Drillinge,

ehrlich, nach zwei Monaten und zwei Wochen, es  ist nicht möglich. Ich möchte genau in diesem Moment in nancy vor unserem wahnsinnig sauberen und überwältigend schönen Kamin (c’est le bordell) sitzen und THCen. Los drittes Jahr lass Träume fliegen lernen…

Was die Nachbarn denken…

Frag ich mich jedes Mal wenn ich das Haus verlasse. Das sieht dann ungefähr so aus: Schuhe suchen und anziehen, dabei die Abfahrzeiten der Bahn checken (die leider nur alle 10 Minuten kommt), noch 7 Minuten, Handy, Musik, Geld und Unikram in die Tasche packen, Jacke suchen, Szia durch die Wohnung brüllen, vor der Tür stehen und die 4 Schlösser aufmachen (vorausgesetzt ich hab den Schlüssen in der Jackentasche – ansonsten ist das Spiel nämlich hier aus, und ich beschließe dass ich eben 20 Minuten später zum Kurs erscheinen werde – oder gar nicht), Tür auf, wieder zu und Schlösser wieder zuschließen, dann fluchend („bazmeg!bazmeg“) Treppen aus dem 5. Stock runtersprinten, durch den Innenhof,  wenn sie da ist, die Oma auf dem Balkon begrüßen, zur Tür raus, und rennen. Im Schnitt 4 Mal am Tag.
Die Uni ist weiterhin verdaubar. Die Zeit der Midterms hat begonnen, und der erste war wirklich bombe: pure Abfragung. Beispiel: was sind die 6 Grundannahmen von Transitologie. Ich kam leider etwas zu spät und hatte nicht mitbekommen dass der Dozent nochmal betont hat, wir sollen das einfach nur auflisten, und hab in großen Zusammenhängen angefangen. Bis mir das auch zu doof wurde.
Budapest ist immer noch sauschön. Im Moment besteht es aus Bier, viel Gemüse, Uni, nähen, Demos, und Nachhause laufen wenn die Sonne aufgeht, über die Brücken, und dann wird tatsächlich „schwarz zu blau“ vor dieser atemberaubenden Kulisse – das haut mich jedes Mal aus den (ab und zu betrunkenen) Socken.
Letzte Woche sind wir mit ein paar Leuten in ein kleines Dorf ans Donaudelta gefahren. Da fährst du wirklich aus Budapest City raus, durch die ganzen Plattenbausiedlungen raus, und siehst mal ein bisschen was vom Rest, Budapest ist hier gegen den Rest (“Paris, Paris, on t’encule”?). Eines von den Mädels die dabei war kommt aus Südkorea. Und sie war so unglaublich fasziniert von den Einfamilienhäusern. “Sowas gibts bei uns gar nicht, und überhaupt sind in Budapest die Häuser so niedrig! Wenn ich mal genug Geld hab möcht ich mir sowas Kleines in Korea bauen”.
Letzten Sonntag war hier Nationalfeiertag. Währen die rechtskonservative Fideszpartei keine offizielle Feierlichkeit auf die Reihe bekam, weil Orbán sich in Brüssel tummeln musste (höhö), gab es diese riesige Oppositionsveranstaltung. Für Pressefreiheit, für Demokratie, für freie Bildung,  oder anders formuliert,  gegen vieles, was Fidesz mit nennenswerter 2/3 Mehrheit in den letzen Monaten durchgeboxt hat. 10.000 Menschen, die ihr Land lieben, das war schon beeindruckend. Was eher beängstigend ist, ist wenn Du dann durch die Stadt läufst und erschreckend viele Jobbikanhänger, in ganzen Famlienverbänden mit Springerstiefel und Bomberjacke durch die Stadt ziehen, große Fahnen am Schwingen. Naja, drittstärkste Partei in Ungarn. Über Inhalte wollen wir hier gar nicht reden. Verwunderlich allerdings, dass der Altersdurchschnitt bei der Protestveranstaltung ungefähr bei 40 war, auffallend wenig junge Leute. Die haben sich dann dafür alle Donnerstag eingefunden, um gegen ein neues Bildungsgesetz zu protestieren (das unter anderem einen Uni-vertrag vorsieht: wenn du studieren gehst musst du unterschreiben mindestens 5, manchmal 7 bis 20 Jahre nach deinem Abschluss in Ungarn zu bleiben, und das ist nur ein Element von dem Paket). Und dann stehst Du da in einer Menge junger Leute, aus allen möglichen Ecken. Und sie spielen die Hymne, und auf einmal war‘s so still dass du das Rauschen der Blätter hören konntest und die Vögel. Die Ungarn lieben ihr Land.

Ahoi, heute geht’s zu Apparat, Fm Belfast, Buraka, ich freue mich, und dann langes Wochenende.

Autumn

First day of rain. And now that our lock has finally been fixed and I do not need to break into my own apartment with my own credit card at three o clock in the night anymore, we found the next flaw. The problem’s name is inondation and is to be found in the kitchen, mine and jessica’s room.

I guess Portugal’s glory is a summer illusion.

Neuigkeiten von der Iberischen Halbinsel

Tag 23: Kein Regentropfen bisher, noch nicht mal Wolken. Jeden Tag weit über 30 Grad, und nirgends air-conditioning. Da bin ich heut in der Metro einfach bewusstlos geworden. Zack. Aber ich werde erfahrener, keine Schuhe verloren und musste auch nicht genäht werden. Nur relativ peinlich; da schaut man hoch und Portugiesen reden (Verzeihung: nuscheln) auf einen ein, und mein erster Gedanke war „fuck ich war noch nicht bei der ambassade francaise“. Sciences Po lässt einen doch nie los.Ich hab jetzt viel (Wasser!) getrunken, und werde wohl auf die abendliche Feier des Endes der Monarchie und der Errichtung der Republik verzichten müssen.

Ansonsten alles gut hier, meine WG ist fantastique, sehr einfach, unbeschwert und abwechslungsreich. Die Uni ist mehr Arbeit als ich erwartet hatte (obwohl ich im Harvard des Südens bin), doch ich glaube das geht jedem von uns so. 3 süße Mädchen mussten Oral Presentation halten, und ich hatte einen kleinen Laval-Impuls ihnen zu sagen wie das auszusehen hat; habs gelassen, wär auf portugiesisch zu anstrengend gewesen.

Zu guter letzt brauch ich noch eure Meinung für meinen Kopf. Jeder hat eine Stimme. hot or not?

she’s just a smalltown girl oder doch uptown girl??

 Nach einigen Komplikationen seitens meiner Freundschaft mit Nahrungsmitteln jeglicher Art, habe ich nun einen Bakterienvertragenden Magen, was meine allgemeine Stimmung und das Lebensgefühl doch erheblich steigert. Mittlerweile habe ich mich doch gut eingelebt in dieser absolut abgefahrenen Stadt. Ich habe so viel erlebt hier in den letzten Wochen es ist schier unglaublich und die Zeit steht still und rennt doch weiter- also es ist doch schon sehr konfus für mein doch sonst eher sehr wohl organisiertes Leben. Ich habe sehr viele sehr nette und unterschiedliche Menschen kennen gelernt, ganz viele Deutsche, aber auch internationale Studenten etc. Alles immer wieder sehr spannend. Gestern war ich auf einem deutschen Stammtisch und es ist immer wieder verrückt, was die Leute nach Beirut treibt. Die Quote zeigt jedoch: studiere Politikwissenschaften, dann bekommst du nirgends einen Job und landest in Beirut und machst irgendetwas, was mit deinem eigentlichen Studium gar nichts zu tun hat, wie zum Beispiel einen Biergarten eröffnen. Naja, vielleicht sei dies meine Zukunft: einen Reibekuchenstand in Beirut City?? Wer weiß. Ansonsten bin ich ein Hauptstädter geworden und vertreibe meine Zeit während der dreistündigen Stromausfälle in Cafés (auch der Feind namens ST…ucks ist dabei auf Grund des schnellen Internets), trinke abends kaltes almaza in diversen kleinen, verrauchten, düsteren Kneipen zu den Klängen von Bob Marley oder Mick Jagger, laufe meine Ballerina in den Staubruin und bin eigentlich Hauptberuflich deutsche Austauschstudentin mit Nebenberuf Uni like a rolling stone eben.

Zum Thema Uni: Diese Wochen haben auch meine Unikurse angefangen und ich habe zwei sehr interessante Kurse genommen, wobei ich den einen jetzt streiche und einen anderen nehme, weil es doch zu sehr ScPo gleicht. aber es macht auf jeden Fall Spaß, besonders der Soziologie Kurs und die Leute sind auch sehr offen, auch wenn wir nur zu siebt sind, oder vielleicht auch gerade deswegen. Arabisch läuft besser denn je im Gegensatz zu Libanesisch, ein Bermudadreieck verjagt wohl das nächste … mal schauen, was die nächsten Wochen so bringen. Ich habe auf jeden Fall einen Tandempartner gefunden und ich bin mal gespannt ob das etwas bringt. Und wenn ich morgen Glück habe, bekomme ich auch endlich, nach sechs Besuchen mein heiß ersehntes Visum für ein Jahr. Das wäre ein großartiger Akt der Nächstenliebe. In 24 Stunden bin ich dann vielleicht einen Stempel reicher oder ein Touristenvisum reicher.

 So konfus wie die Stadt ist es auch gerade zu schreiben wie die letzten Wochen so waren, wie gesagt, ich war viel unterwegs innerhalb von Beirut, habe die verschiedensten Viertel gesehen, die alle kleine eigene Welten sind: da hat man Downtown Manhattan und sucht nach Carrie Bradshaw und drei Strassen weiter türmen sich Tonnen von Müll, neben Betonruinen in denen Großfamilien hausen. Dann hat man wiederum ein anderes Viertel mit christlichen Symbolen und Heilgenbildern überall und im nächsten Block hängen überall Fahnen der syrischen sozialen nationalistischen Partei. Das beste Wort Beirut zu beschreiben ist glaube ich immer und immer wieder verrückt, weil es einfach schwer zu fassen ist. So ein kleines Land, so viele verschiedene Plätze und Menschen, aber das macht es total spannend und es erwartet mich quasi jeden Tag etwas Neues.

Das sind die neusten News au Beirut, falls ihr die Gelegenheit habt: ein super Film ist gerade rausgekommen, der sehr sehr humorvoll einen kleinen Teil vom Leben im Libanon widergibt: et maintenant, on vas où?.

Die Ersten werden die Letzten sein. und so?

endlich schaffe ich es auch mal. Bin nun seit ca. einem Monat in Budapest. Die Ungarn sind ein unglaublich freundliches Völkchen, sehr hilfsbereit und offen, eben nicht so schwer zu knacken wie damals die Petersburger oder so mancher Deutsche. Die ersten Tage konnte ich noch nicht in meine WG einziehen,  und habe bei einer ungarischen Tandemstudentin gewohnt. Welcome to the former Eastern Block. Plattenbauten soweit das Auge reicht, zwar recht außerhalb, aber wunderbare Metroanbindung an die Innenstadt – genau eine Station vor Ikea, haha. Empfangen wurde ich (um 13h30, bei 35°) auch gleich mit kaltem Bier und Bacardi („wir Ungarn sind da wir ihr Deutschen“) und dann noch n deftiger Eintopf.
Wenn ich meinen ersten Tagen einen Namen geben müsste wäre es wohl so etwas wie Hans Guck In Die Luft. Die Stadt ist wunderbar schön, eingefallene Altbauten, ganz toller Jugendstil, die unterschiedlichsten Sachen. Eine Strasse zum Beispiel wird regelmäßig als Filmkulisse für Kriegsszenen genutzt, da die (durchaus bewohnten) Häuser noch von unzählige Einschusslöcher u.a. von der Revolution 1956 durchdrungen sind. Und dann ist da ja noch die Donau, wenn man hier über eine Brücke geht kann man sich wirklich an dem Anblick ergötzen, und zwar bis das Auge reicht, nachts ist die Donaukulisse wirklich eine ernstzunehmende Konkurrenz zu Paris. Aber nicht nur die Häuser sind spannend, sondern vor allem was dann noch draus gemacht wird. Es gibt über die ganze Stadt verteilt sogenannte Ruinpubs – alte Häuser mit großen Innenhöfen, voll zusammengewürfelter Möbel und teilweise verstörenden Installationen, Badewannen als Couches, und Jeeps zum Drinsitzen. Bierpreise sind auch nicht zu verachten. Ganz allgemein bietet Budapest ne Menge Kultur, Gallerien, und Nachtleben ist auch sehr vielseitig.
Soviel zum Spaß des Lebens, was den Ernst angeht, 30 credits pro Semester, hab von Montag bis Donnerstag Uni, und die Fächer sind wirklich interessant, Soziologie, Wirtschaft und Politik grob gesagt.  Ist ein riesiges altes Unigebäude, die ehemalige Karl Marx Universität (der Gute sitzt auch immer noch in dem riesen Atrium), direkt an der Donau.
Meine Wohnlage – naja, hier gibt’s sowas wie „cool“, Synonym von Erasmus, und Pest Seite. (Budapest heißt: Der Budateil westlich der Donau, Pest östlich davon) Ich wohne auf der anderen Seite, aber bis auf den Heimweg nachts ist das auch nicht weiter schlimm. Vor allem da ich mir jetzt für ein Spottpreis ein (Schrott?)Rad gekauft habe, ich weiß nur noch nicht wie es im Winter wird. ( Budapest ist eigenlicht ncht zum Fahrradfahren gemacht, und es ist auch wirklich stressig, aber nach und nach gewinnen die Radler sich immer mehr Raum, viele Criticalmass Veranstaltungen und ich finde regelmäßig an meinem Fahrrad Flyer für Rad Aktionen/Likemybke usw.) Wohne mit 2, manchmal 3 Ungarn zusammen, obwohl der Eine eigentlich kein Zimmer mehr hat, aber ab und zu schaut er auch mal vorbei. Gloria hat letztes Jahr ihr Diplom an der Kunsthochschule gemacht, jobbt und macht Sprach und Graphikkurse, vergisst ihren Schlüssel genausooft wie ich, und kann sich an den kleinsten Dingen erfreuen.  Erika hat ihr Medizinstudium in Szeged abgeschlossen und macht gerade in Budapest einen Deutschsprachkurs. In Ungarn verdient ein Arzt durchschnittlich 300 € im Monat – unglaublich aber wahr. Über Wasser halten die sich dann durch die –manche nennen es Trink-, andere Bestechungsgelder -  die fast zwangsläufig bei einem Arztbesuch bezahlt werden.
Auf jeden Fall sind beide ganz wunderbar lustig, und total nett. Wir haben zwar einen etwas anderen Lebensrythmus, aber wenn es geht wird mal zusammen gekocht, oder ausgegangen.
Soviel zunächst mal aus Budapest, egészségére!
http://www.youtube.com/watch?v=UYdXi-AseF8&feature=related, –> Beirut rockt!

Mit angemessener portugiesischer Verspätung hat auch Tania es nach Portugal geschafft – und hat in der Lotterie gewonnen, und die schönste Stadt der Welt erwischt. Meer, Palmen, Bars, Hügel, enge Gassen in denen die Wäsche zum trocknen hängt, pittoreske Ecken, ein Traum zum shoppen, alte Männer die Schach spielen, 2 nachts hell erleuchtete Brücken über den Tejo.. Es ist so heiß, jeden Tag wolkenlos, ab 23 Uhr abends wird’s im Kleid ganz angenehm.

Eine Wohnung im vierten Stock (der Aufstieg hält die 136 St. Dizier in Ehren), komplett neu renoviert, riesig und mit Wintergarten und automatischer Lichtschaltung. Mit mir wohnen 4 andere Erasmus Studenten, eine Kolumbianerin aus Spanien, ein Pariser, ein Ungar und ein spanisches Männlein/Weiblein/weiß man nicht so recht. Die 3 ersten kenn ich schon, und erfreu mich jeden Abend an meinem Glück wenn wir in der Küche sitzen, zusammen essen und Bier trinken. Matthieu hat zwar einen sonderbaren Humor, hat sich aber gnädigerweise meinen miserablen Portugiesischkenntnissen angenommen und hilft mir wo er nur kann – und er trägt immer meine Einkäufe! Und Jessica (so hübsch!) ist ganz wunderbar extrovertiert und lacht immer. Unsere Kommunikation verläuft bis jetzt mit Händen und Füßen, da mein Spanisch, ihr Englisch und unser beider Portugiesisch spärlich sind, aber sie ist echt ein Herz. Und der Ungar hat den geilsten Namen der Welt: Sultan. Der Bruder heißt Attila. Und der Vadder Pascha nehme ich an. Aber auch er ist cool; nur ein bisschen realitätsfern, erzählt mir er will abnehmen und trinkt Sahne pur aus der Dose. Oh und er hat Honigschnaps mitgebracht!

Mein Zimmer (samt Napoleon und Pratersauna Poster) hat 2 Balkontüren mit Blick auf Lissabons Dächer. (Wenn ihr mich immer noch nicht besuchen kommen wollt, cherchez l’intru)

Die Uni ist das komplette Gegenteil von Sciences Po; Die Außenwände plakatiert und getagt, keine Computer, kein Internet, mit Palmen und einem Café im Innenhof. Und wer wissen will an welchen Ecken man in Portugal am Geld spart ist hier ganz richtig. Die Kurse haben schon am Montag begonnen, und ich hatte meinen ersten Sprachkurs (wie schön, das erste Mal richtigen Portugiesischunterricht) und Politica Internacional Contemporanea, sah sehr interessant aus, kam nur relativ wenig bei mir an, der Prof hätte auch japanisch sprechen können, er sah auch japanisch aus, und die Schrift so unleserlich, vielleicht bin ich ihm auf die Schliche gekommen. Dafür hab ich in dem Kurs Fiona, Berlinerin, kennengelernt (ich musste sie mögen, Fusion-Armbänder und goldene Zehennägel) und werde mit ihr Nachtleben und Strand erkunden.

Abends besuche ich (schon fast obligatorisch) fleißig die Erasmuspartys; unglaublich coole Menschen kennengelernt, zum Beispiel gestern im Club hat mich eine Portugiesin an die Hand genommen und gesagt ich muss in der Mitte ihrer Freunde tanzen. Dennoch werde ich hier wahrscheinlich mehr spanisch und italienisch als portugiesisch lernen, die sind einfach ÜBERALL. Que passa? Es loco!

Immer noch keine Fotos…

… jetzt ist beinahe eine Woche schon vergangen. Die Zeit kriecht und rennt, einerseits rast sie hier, andererseits kommt mir schon so vor als wäre ich mindestens seit hundert Jahren nicht mehr zu Hause gewesen. Am Montag hat mein arabisch Intensiv Programm angefangen. Das beginnt hier zwei Wochen vor der Uni und endet auch zwei Wochen vorher, nach dem Sinn suche ich immer noch. Jedenfalls habe ich sechs Stunden Hocharabisch, viereinhalb Stunden libanesischen Dialekt (finde ich klasse, ich hätte liebend gern am PWG vier Stunden Wittlicher Platt pro Woche gehabt, dann würde mein Wortschatz sich nicht nur auf den Dialog des Kirmesspiels beschränken) und drei Stunden writing skills. Ich glaube das wird noch ein gutes Stück Arbeit. Und ohne JJH Bermuda Dreieck ist es auch ein klein wenig ernster als in Nancy (trotzdem richte ich meine Dialoge immer an den imaginären jääään). Aber ich möchte ja schließlich auch jeden zukünftig in der rue Saint Nicolas in Nancy verstehen, sollte ich dort mich noch einmal aufhalten. In meiner Gruppe sind relativ und überraschenderweise sehr wenig Leute: Neben zwei weiteren Scpo Jungs aus Paris und einem Scpo Masterstudenten aus Österreich sind noch eine Deutsche, bestimmt 8 Amis, eine 40 Jahre alte Dänin und ein Mädchen aus den Golfstaaten die in London fäschn studiert. Die Leute sind alle ganz nett, leider gibt es hier nicht so was wie eine semaine d’inté (ja, ich hätte auch nie gedacht, dass ich dies mit einem leider versehen werde). In zwei Wochen beginnt die richtige Uni und ich hoffe, dass ich dann dort noch ein paar coole Leute treffen werde, da die Leute des Sprachkurses alle nur für ein Semester bleiben. Diese Woche habe ich ein paar administrative Dinge erledigen müssen wie Visum beantragen, mich in die Deutschenliste der Botschaft eintragen… Ein libanesisches Handy bekomme ich hoffentlich auch nachher, dann werde ich euch natürlich auch umgehend meine neue Nummer mitteilen. Das Visum zu beantragen war eine eher angstmachende Angelegenheit. Man braucht so einen du-bist-eingeschrieben- Brief der Uni, den ich noch nicht habe, da die Einschreibungen ja erst in zwei Wochen sind. Da mein Visum dann aber auch ausläuft bin ich wie eine Wilde in der Uni rumgelaufen und jemanden gesucht und schließlich dann auch gefunden, der so nett war und mir so ein Schreiben ausgedruckt hat. Dann bin ich mit Stefan, der Österreicher, zum Bildungsministerium gefahren, da die dort deinen Unibrief absegnen mit einem Stempel. wir wurden aber erst einmal kurz ins Kreuzfeuer genommen, haben dann aber doch den Stempel bekommen. Weiter ging es dann zur General Security, wo man alles, von Taschen bis Handys abgeben muss, wir könnten ja schließlich israelische Spione sein. Dort stehen wirklich im halben Meter Takt Soldaten rum, was die Atmosphäre eher weniger entspannt. Jedenfalls habe ich dann nach zwei Stunden es endlich geschafft das ok für meinen Pass zu bekommen und darf in jetzt nächste Woche hoffentlich inklusive Aufenthaltsgenehmigung abholen. Sonst mache im Momentan nicht so viel außer viel skypen, rumlaufen (wie zum Beispiel gestern im armenischen Viertel) und abends in Restaurants oder Kneipen gehen, so lernt man die Stadt wohl am besten kennen. Dieses Wochenende werde ich einen Ausflug machen mit meiner Mitbewohnerin, ich hoffe an einen guten Strand, die Hitze steht nämlich gerade in den Straßen. Und wenn ich nach Hause komme, werde ich auch mal in euren ganzen Seriengesprächen mitsprechen können. Meine Mitbewohner schauen so permanent Fernsehen, dass ich glaube ich in dieser einen Woche mehr Fernsehen als in zwei Jahren Nancy geschaut habe. Ein dicker Kuss

Beirut, Beirut

Ihr lieben,

erste Meldung aus Beirut. Wir  (THC) versuchen ab jetzt immer ein bisschen aus unseren relativ neuen Leben einmal durch Europa bis zum Nahen Osten verteilt zu berichten.

Nochmal danke an alle für die schönen Abschiede in Saarbrücken, Wittlich und innerhalb der Anne Frankstraßen Gang.

Auf jeden Fall ging am Freitag mein Flieger Richtung Beirut und schon im Flieger fing die neue Hitzewelle an. Hier ist es so unglaublich heiß, so schwül heiß, unfassbar. Ich könnte prinzipiell im Minutentakt duschen gehen und frage mich wie den ganzen top gestylten Damen, die hier uptown rumlaufen nicht das ganze make up sofort und auf der Stelle vom Gesicht runter fließt. Eins steht fest: für mich bleibt es wohl ein eher ungeschminktes Jahr. Ich wurde liebenswerter Weise auch von meiner australischen Mitbewohnerin Alice und zwei ihrer Freunde am Flughafen abgeholt. Das hatte mich echt gefreut weil ich ein bisschen Schiss hatte mit dem Taxi und meiner Orientierung irgendwo hin zu fahren wo ich die Adresse noch nicht mal richtig aussprechen kann.

Die Wohnung ist krass. Wir wohnen in einem Hochhaus (hier stehen auch wirklich nur Hochhäuser, es gibt einfach keine anderen Häuser, zumindest nicht hier in meiner hood) im sechsten Stock (mit Aufzug!!!). Das Haus gehört einer Familie, die komplett auch auf alle Etagen verteilt hier wohnt. Außer der älteste Sohn mit Frau und Kindern, der musste leider hier ausziehen, weil seine Kinder sich kein Schlafzimmer teilen wollten. Eben darum haben wir jetzt diese immens riesige Wohnung mit äußerst exklusiver (schön ist Geschmackssache) Einrichtung. Im Wohnzimmer, besser gesagt in Salon Nummer zwei, steht ein ausgestopftes Frettchen (oder irgendso ein weniger schönes Tier) und überall stehen so Gold blaue Chaiselongues und Couches. Der Boden ist natürlich Marmor und eines der drei Schlafzimmer hat so ein großes Ehebett, da könnte glatt eine ganze Familie drinnen schlafen. Ich wohne im Kinderzimmer, das ist ziemlich unspektakulär: In meinem Raum stehen zwei Betten und zwei riesen Schrankwände, das war es. Das ist aber nicht schlimm, die meiste Zeit verbringe ich eh im Wohnzimmer. Da steht der Ventilator. Jeder Raum hat auch eine Klimaanlage ohne die man wirklich kein Auge zubekommt nachts, leider ist die in meinem Raum seit gestern kaputt und wird erst Montag repariert.

Und so exklusiv wie ich bin, habe ich auch einen persönlichen Hausmann, der Autos für die Bewohner parkt, Essen kaufen geht, alle möglichen Reparaturen durchführt und so. Das mit dem einkaufen find ich wirklich ein wenig zu krass und wir haben uns hier geeinigt, dass wir das dann doch selber machen können. Da bin ich echt froh, dass meine Mitbewohner das auch so sehen, ich käme mir sonst wirklich scheußlich vor.

Meine Mitbewohner sind wirklich cool. Bisher sind nur Alice und Nathalie hier: beide sind Australierinnen. Alice macht an der Amerikanischen Uni ihren Master und Nathalie ist gerade auf Weltreise und macht hier nur einen Stopp, deswegen ist sie auch nur bis Ende des Monats noch hier. ‚‘Alice wird auch Mitte des Monats für drei Monate nach Australien zurückkehren um für ihre Abschlussarbeit zu forschen. Dafür kommt Mitte des Monats die Amerikanerin Emily zurück und außerdem zieht eine deutsche ScPo Studentin von einem anderen Campus als Nancy hier ein. Dann sind wir zu dritt.

Meine Uni ist hier auch nur ein paar Straßen weiter. Ich war heute schon einmal kurz dort um nach meinem Arabisch Kurs zu fragen der am Montag beginnt. Der Campus ist so unfassbar schön und die Uni auch, wirklich unglaublich, wie so ein kleiner Schlosspark inmitten tausender Hochhäusern und zerbombten Straßen. Ich bin wirklich mal gespannt wie das am Montag so wird. Ich werde leider auch immer nur an der Uni Internet haben, weil wir hier im Haus keine WLAN Box haben, weil es einfach viel zu langsam ist, daher würde auch so ein USB Internetstick nichts bringen. Aber Alice meinte, dass an der LAU und der anderen amerikanischen Uni die Internetverbindung die beste im Land sei, ich hoffe mein Optimismus zahlt sich aus. Ich hoffe, dass ich dennoch oft genug skypen kann.

Auf dem Weg zur Uni muss ich durch ein abgesperrtes Gebiet gehen so richtig mit militärischem Schutz, und Straßensperre, weil dort das Haus von al Hariri steht. Unglaublich ich dachte ich sei in einem schlechten Film.

Ich bin heute mit meinen Mitbewohnerinnen ein bisschen durch die Straßen gelaufen. Es ist so anders und doch gleich. Überall stehen die Hochhäuser und die Straßenverkäufer und das dann genau neben HM, ZARA, Vero MODA und Co. Die libanesischen Frauen sind wie gesagt sehr umfangreich zurecht gemacht. Ich glaube die ganze Stadt war hier schon beim Schönheitschirurgen und jeden morgen steht Maniküre, Pediküre, Visagist und Friseur auf der to do Liste. Malt euch schon mal aus wie ich aussehe wenn ich wieder nach Hause komme. 

Heute Abend gehen wir feiern. Alice hat morgen Geburtstag. Ich bin mal gespannt.

Ich drücke euch alle ganz fest

Disco Pogo

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“alle, alle, alle, alle”